Ausstellung "Verschwindende Landschaften"

Landscapes of loss

Künstlerinnen und Künstler: Andreas Blank, Stefano Cagol, Miru Kim, Nezaket Ekici, Shahar Marcus, Janet Laurence, Reifenberg, Stefan Rinck, Erwin Wurm, Shingo Yoshida

Kuratorinnen: Constanze Kleiner, Rachel Rits-Volloch

Diplomaten, Politiker sowie Vertreter der Zivilgesellschaft aus aller Welt treffen sich vom 6. bis 17. November 2017 zur Weltklimakonferenz COP 23 in Bonn, um das im Pariser Klimaabkommen festgelegte Ziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, zu erreichen und die Auswirkungen des Klimawandels zu begrenzen.

Die Ausstellung "Verschwindende Landschaften/Landscapes of Loss" versammelt zehn internationale Künstlerinnen und Künstler, deren Werke die extremen Spuren zeigen, die die rasante Entwicklungsgeschichte der Menschheit besonders in den letzten Jahrzehnten in Natur und Umwelt hinterlassen hat. Mit einer allen Werken der Ausstellung gemeinsamen künstlerischen Herangehensweise, für die die Drosselung von Tempo und die Verlängerung von Dauer wesenseigen sind, wird die Hyper-Allgegenwärtigkeit von Ereignissen und Personen ausgeschaltet. In der Ausstellung öffnet sich ein geschützter Raum, in dem sich durch langsam ablaufende, miteinander korrespondierende überdimensionale Bilder eine Atmosphäre von Beruhigung und Langsamkeit entfaltet. Der Weg in den Ausstellungsraum, den Lichthof des Ministeriums-Gebäudes, ist von Skulpturen aus uraltem Stein flankiert. Es entsteht eine Aura, die etwas Heilendes in sich trägt.

In Vorbereitung der COP 23 entsteht mit der Ausstellung mitten in dem nervösen Treiben des Potsdamer Platzes ein Kontemplationsraum. Den Besucherinnen und Besuchern wird mit dem Verweilen in dieser Enklave in Gegenwart der Kunstwerke ein Moment des Nachsinnens darüber gegeben, was wir alle verlieren können. Alle Videoarbeiten der Ausstellung werden zudem während der Weltklimakonferenz in Bonn vom 6. bis 17. November gezeigt.

Im Rahmen der Ausstellung "Verschwindende Landschaften" fand zudem ein Kunstvermittlungsworkshop für Kinder statt. Kinder der Unterstufe aus der Kastanienbaumgrundschule in Berlin-Mitte sowie aus der Unterkunft für Geflüchtete in der Strassburger Strasse in Berlin-Mitte erhielten die Möglichkeit, selbst Bilder zu den ausgestellten Kunstwerken anzufertigen. Die Bilder, die während des Workshops entstanden, wurden direkt in der Ausstellung gezeigt.

Zu den Künstlern und Arbeiten der Ausstellung

Janet Laurence am ehesten bekannt für ihre umweltbezogenen künstlerischen Projekte, die sie häufig gemeinsam mit Wissenschaftlern in Angriff nimmt, die sich für internationale Umweltschutzinitiativen engagieren. Das Video Deep Breathing – Resuscitation for the Reef (2015) sowie die begleitende Fotoreihe Corral Collapse Homeopathy (2015) sind für die COP21 in Paris entstanden. Die Arbeit von Andreas Blank (Landscape Metaphor 2010) widmet sich den allzu vergänglichen, banalen Dingen unseres Alltags und schafft ihnen in altmeisterlicher Bildhauermanier ein vollendetes und unvergängliches Denkmal. Stefan Rinck (Die Streichelwürstin 2017, Chiaroscuro 2014, Gibbons don’t have good press 2014, Roo 2013 und Einhorng 2009) lässt mit seinen Geschöpfen eine alternative Welt entstehen, die er mit ewigen Steinwesen bevölkert, in denen alles menschliche Wissen und Können für immer und unausrottbar gespeichert ist. Der israelische Künstler Reifenberg (Oil Spill 2010) widmet sich generell in seinem Schaffen der tödlichen Wirkung des "Neuen Mammon Öl". Stefano Cagol (Evoke Provoke [The Border] 2011) und der japanische Künstler Shingo Yoshida (The End of Day and Beginning of the World 2015) unternahmen beide lange Reisen in die Arktis, um den Einfluss des Menschen auf die Natur in Extremform aufzuzeichnen. In ihrer Performance verwandeln die deutsch-türkische Künstlerin Nezaket Ekici und der israelische Künstler Shahar Marcus (Videoarbeit Sandclock 2012) Muslime und Juden in der Negev-Wüste zu menschlichen Sanduhren, die aufzeigen, wie schnell wir in endloser Wiederholung ins Nirgendwo geraten. Die Arbeit der koreanisch-amerikanische Künstlerin Miru Kim (Camel’s Way 2012) zeigt den zerbrechlichen nackten Körper der Künstlerin im Kontext der rauen Felsenwüste Wadi Rum in Jordanien und zeigt damit plötzlich auch die Fragilität dieser Landschaft selbst. Erwin Wurm, der in diesem Jahr Österreich auf der Biennale in Venedig vertreten hat, holt uns mit seinen vier Arbeiten aus der Reihe Leopoldstadt (2004), einer Fotoserie seiner berühmten "One minute sculptures" zurück in die Stadt – dem Hauptlebensraum des Menschen des 21. Jahrhunderts. Das Absurde der gezeigten Straßen-Szenen und der diesen Arbeiten damit innewohnende Witz lassen hoffen, dass es der Menschheit gelingen wird, zu einer Balance mit ihrer Umwelt zurückzufinden, so fragil das Gleichgewicht auch sein mag.

Ausstellungseröffnung

2. November 2017, 19.00 Uhr
Hinweise zur Eröffnung

Fotos zur Ausstellung und Eröffnungsveranstaltung

Ausstellungszeitraum

3. bis 5. November 2017

Öffnungszeiten

16.00 bis 20.00 Uhr

Die Teilnahme an einer Führung ist am 5. November (Sonntag) zu jeder vollen Stunde möglich.

Der Eintritt ist frei.

Anschrift

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, 
Stresemannstraße 128-130
10117 Berlin